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Der schwarze Faden von der ÖVP zur Skandalfirma Wirecard

Christian Hafenecker brachte Sachverhaltsdarstellung wegen Amtsmissbrauch, Bestechlichkeit und Geheimnisverrat im Innenministerium ein.

Die Medien überschlagen sich derzeit mit Berichten über ein flüchtiges Vorstandsmitglied der insolventen Firma Wirecard. Es wird behauptet, der Mann habe über Umwege vertrauliche Informationen an die FPÖ geleitet. Was dabei zu kurz kommt: Wie kam der Mann zu den Informationen, die er offenbar schon jahrelang bezieht? Und wie war sein Verhältnis zum ehemaligen Wirecard-Chef Markus Braun, der ein Großspender der ÖVP ist und von Kanzler Kurz auch in den „Think Tank“ des Kanzleramts berufen wurde?

Wirecard-Chef spendete 70.000 Euro an ÖVP

Der freiheitliche Fraktionsführer im Ibiza-Untersuchungsausschuss, Christian Hafenecker, hat heute in einer Pressekonferenz den „schwarzen Faden“ zwischen der ÖVP und der Skandalfirma Wirecard herausgearbeitet. Es war Sebastian Kurz, der schon 2017 den Wirecard-Vorstandsvorsitzenden Markus Braun an seiner Seite präsentierte und sich dafür über 70.000 Euro Spenden Brauns an die ÖVP freuen durfte. Kein Wunder, dass er von Kurz dann auch in seinen geheimnisumwobenen „Think Tank“ ins Kanzleramt berufen wurde.

ÖVP zündete „Nebelgranate“ eggen FPÖ

Doch auch der jetzt im Zentrum des Interesses stehende Wirecard-Vorstand Jan Marsalek dürfte über hervorragende Kontakte ins schwarze Netzwerk verfügen – und das schon seit vielen Jahren. „Wenn die ÖVP jetzt versucht, einen Skandal daraus zu machen, dass Informationen von Marsalek angeblich an den ehemaligen FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus weitergeleitet wurden, dann ist das eine Nebelgranate“, so Hafenecker.

Info-Vermittler kommt aus Ernst Strassers Netzwerk

Denn auch der „Mittelsmann“, der Marsaleks Infos an Gudenus weitergegeben haben soll, stammt aus dem engsten schwarzen Kreis, Florian S., der Geschäftsführer der Österreichische-Russischen Freundschaftsgesellschaft (ORFG), betrieb einst gemeinsam mit dem ehemaligen ÖVP-Innenminister Ernst Strasser eine gemeinsame Firma namens „Russia GmbH“. Und er war bereits unter Präsident Strasser in der ORFG tätig, wo bis heute namhafte Vertreter aus dem „System Strasser“ sitzen – unter anderem die beiden ehemaligen Kabinettschefs Christoph U. und Michael K.

Arbeiteten BVT-Mitarbeiter „nebenberuflich“ für Marsalek?

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass Herr Marsalek bereits seit vielen Jahren geheime Infos aus dem Innenministerium – und hier vor allem aus dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) – erhält“, sagte Hafenecker und verwies auf Informationen des „Standard“, wonach BVT-Mitarbeiter für Marsaleks Wirecard „nebenberuflich“ die Zahlungsfähigkeit von Internet-Pornoanbietern überprüft haben sollen. Mit Bezahlmodellen für Pornoanbieter machte die Wirecard AG vor allem in den ersten Jahren ihres Bestehens gute Geschäfte ­– also ab dem Jahr 2000, als auch Strasser Innenminister war.

Geheimformel für „Nowitschok“-Gift aus dem BVT?

Jan Marsalek wird derzeit neben den möglichen Malversationen bei Wirecard vorgeworfen, ein Doppelleben im Geheimdienst-Milieu geführt zu haben. Unter anderem soll er Dokumente mit der Formel des Nervengifts „Nowitschok“ besessen haben, mit dem russische Regimegegner vergiftet worden sein sollen. Hafenecker will die Herkunft dieser und anderen sensibler Informationen dringen geklärt wissen: „Sollte sich herausstellen, dass diese Dokumente aus dem BVT gekommen sind, dann wäre das der Super-Gau. Dann wäre das der größte der bisher bekannten BVT-Skandale und ein sichtbares Ergebnis dieses jahrelangen Herunterwirtschaften des Amtes unter Herrn Gridling in einen Zustand, wie ihn ja zuletzt der ‚Berner Klub‘ in einem Visitationsbericht katastrophaler nicht hätte beschreiben können.“

Hafenecker bringt Sachverhaltsdarstellung ein

Hafenecker brachte daher heute bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung ein mit dem Ersuchen, Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs, Bestechlichkeit und Verrats von Amtsgeheimnissen gegen unbekannte Täter im Innenministerium bzw. im BVT einzuleiten.

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