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Das Glücksspiel in Österreich: Ein Markt für „Illegale“

Martin Graf befragte den ehemaligen Casinos-Vorstand Peter Sidlo und arbeitete massive Gesetzesschwächen im Glücksspiel heraus.

Das Glücksspiel in Österreich: Ein Markt für „Illegale“ - Martin Graf befragte den ehemaligen Casinos-Vorstand Peter Sidlo und arbeitete massive Gesetzesschwächen im Glücksspiel heraus.

Fotomontage: FPÖ

Eines vorweg: An der Qualifikation von Peter Sidlo als Finanzvorstand der Casinos Austria AG (CASAG) gibt es wenig zu rütteln. Wie schon in der letzten Woche Auskunftspersonen aus der ÖVP-Sphäre bestätigt haben, gab es an seiner fachlichen Eignung keine Zweifel. Sidlo verfügt ganz offensichtlich – das hat er schon in seinem Eingangsstatement dargelegt – über ausreichend einschlägige Berufserfahrung, um die Finanzen eines Konzerns dieser Größe verwalten zu können.

Von Martin Graf

Nicht einmal die tschechische Sazka-Gruppe, die mit der Sidlo-Bestellung nicht einverstanden war, rechtfertigte das mit fehlender Qualifikation, sondern stellte Bedingungen, die ihr mehr Macht im Konzern sichern sollten. Doch diese Bedingungen wurden nicht erfüllt.

Anonyme Anzeige aus Dunstkreis von Sazka?

Ich habe Herrn Sidlo daher die Frage gestellt, ob er sich vorstellen kann, dass die tschechische Sazka-Gruppe mit der anonymen Anzeige, die die gesamte Casinos-Affäre ins Rollen gebracht hat, zu tun haben könnte. Er weiß das natürlich nicht, aber ausschließen kann er es nicht. Denn eines ist augenscheinlich: Der große Sieger ist die Sazka-Gruppe, die demnächst Mehrheitseigentümer der Casinos sein könnte.

Augenscheinlich war auch, dass Sidlo in seiner nur kurzen Zeit im Vorstand einige wichtige Dinge bemerkt und in Angriff genommen haben dürfte – unter anderem den Bereich Spielerschutz, der meiner Ansicht nach von der CASAG nicht ausreichend wahrgenommen wird.

75 Prozent des Online-Geschäfts machen illegale Anbieter

Auch die riesigen Gesetzeslücken bei der Bekämpfung des illegalen Online-Glücksspiels sind ihm bewusst. Denn obwohl dieser Bereich immer noch der CASAG als einzigem gesetzlich lizenziertem Anbieter vorbehalten ist, machen 75 Prozent des Umsatzes illegale Anbieter, die in Österreich keine Steuern zahlen, dafür aber aggressiv Werbung machen. Hier würde sich eine nähere Untersuchung lohnen, denn auch diese Firmen haben politische Verbündete – zum Beispiel in der ÖVP.

Nachdem Sidlos Qualifikation für den CASAG-Vorstand außer Streit stand, bemühten sich die anderen Fraktionen, ihn in Zusammenhang mit Tätigkeiten in Vereinen anzuschwärzen. Nachdem auch dieser Komplex Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen ist, entschlug sich Sidlo hier der Aussage.

Gegen die Verunglimpfung von Kommunalpolitikern

Sidlo ist übrigens bei weitem nicht die einzige Person im Untersuchungskomplex, die zwar kein „Berufspolitiker ist“, aber dennoch politisch tätig. Dass er seit Monaten in den Medien mit deutlich hör- und lesbarer Abwertung als „FPÖ-Bezirksrat“ bezeichnet wird, ist allerdings nur in seinem Fall so. Wer als klarer Schwarzer in dutzende wirtschaftliche Positionen gekommen ist, muss sich die Parteizugehörigkeit nicht vorhalten lassen – schon gar nicht so, als wäre es die einzige Qualifikation.

Die Politik braucht beruflich erfolgreiche Menschen

Deshalb habe ich zu Beginn meiner Fragen eine Lanze gebrochen für alle, die sich ehrenamtlich in der Politik engagieren. Es braucht – ob als Bezirksräte in Wien, oder als Gemeinderäte in den mehr als 2.000 Städten und Gemeinden in den Bundesländern – Personen aus allen Gesellschaftsschichten. Beruflich außerhalb der Politik erfolgreich zu sein, spricht sicher nicht gegen ein kommunalpolitisches Engagement – ganz im Gegenteil.

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